Erschienen in: Direkte Aktion 189 – Sep/Okt 2008
Randmeldungen
Frankreich: Rache für den Streik + Deutschland: Anti-Islam-Kongress blockieren! + Polen: Repression gegen kämpferische Belegschaft
Rache für den Streik
In Marseille droht La Poste dem Briefträger und CNT-Mitglied Serge Reynaud mit Entlassung. Dieser neuerliche Anschlag kommt nicht aus heiterem Himmel. Im Mai 2008 hatten die Gewerkschaften CGT und SUD die Beschäftigten zum Streik aufgerufen. Damit wendeten sie sich gegen das Projekt „Briefträger der Zukunft“, mit dem die komplette Brieflogistik umstrukturiert werden soll. Im Département Bouches du Rhône sind dadurch etwa 1.000 Jobs gefährdet.
Die Auseinandersetzung im Mai wurde besonders hart geführt, u.a. wurden Leiharbeiter als Streikbrecher eingesetzt. Trotz der 17 Tage Streik, an dem sich täglich 400 ArbeiterInnen beteiligten, endete die Auseinandersetzung Ende Mai mit einem Patt.
Im Juni dann wurde der Genosse Reynaud zur Geschäftsleitung zitiert. Man warf ihm vor, in seinem Büro eine Rede gehalten zu haben. Weiter legte man ihm zur Last, sich an einer kollektiven Aktion beteiligt zu haben – die KollegInnen hatten versucht, in die Eingangshalle der Poste vorzudringen. Diese „Vergehen“ gehören zwar zum normalen Streikgeschehen, dienen aber nun, aus dem Kontext gerissen, zur Rechtfertigung von Strafmaßnahmen.
Weitere Informationen auf www.fau.org/soli/cnt-ptt/ (AE)
Anti-Islam-Kongress blockieren!
Pro Köln, eine rechtsextreme Kleinstpartei, die sich seit Jahren für rassistische Politik stark macht, lädt für den 19. bis 21. Sept. nach Köln zu einem Kongress über „Islamkritik“ ein, der als Propaganda gegen Menschen anderer Herkunft und Religion zu verstehen ist. Es werden bis zu 1.000 Rechte – das Spektrum reicht von Neonazis bis Altkonservativen – erwartet. Als Publikumsmagnet soll u.a. der greise Rassist Le Pen (Front National; Frankreich) auftreten.
Verschiedene Gruppen wollen es soweit nicht kommen lassen und haben sich zusammengeschlossen, um dieses internationale rassistische Treffen zu verhindern: Den Rechten soll der Durchgang versperrt und der Veranstaltungsort blockiert werden. Weitere Infos unter: www.no-racism.mobi und www.hingesetzt.mobi/cms. (AE)
Repression gegen kämpferische Belegschaft von FagorMastercook in Wroclaw (Polen)
Am 2. Juni organisierte die klassenkämpferische Gewerkschaft „Sierpen80“ (August80) einen Warnstreik bei dem Haushaltsgerätehersteller FagorMastercook, bei dem die gesamte Belegschaft für zwei Stunden die Arbeit niederlegte. Gefordert wird eine Gehaltserhöhung um 1000 Zloty (312 Euro). Nachdem sich die Firmenleitung schon im Vorfeld weigerte, auf die Verhandlungsangebote der Gewerkschaft einzugehen, beantwortete sie den Warnstreik mit Repression: Mitglieder der Gewerkschaft wurden unter fadenscheinigen Gründen entlassen, Verträge von Gewerkschaftsmitgliedern nicht verlängert. Am 26. und 27. Juni entschied sich die Belegschaft dann dafür, ab September in den Streik zu treten. Am 18. Juli fand eine Kundgebung vor dem Werkstor statt. Die Bosse verwandelten das Firmengelände bereits im Vorfeld in einen Hochsicherheitstrakt: 450 Sicherheitskräfte, die ausgerüstet mit Tränengas und Schlagstöcken auf dem Firmengelände patrouillieren und die ArbeiterInnen schikanieren und einschüchtern sollen, wurden engagiert. Zwischenzeitlich hat sich auch die „Zwiazek Syndykalistów Polski“ (ZSP/Union der Syndikalisten) in den Konflikt eingeschaltet und ruft zur Unterstützung des Arbeitskampfes auf.
Mehr Informationen und ein Formular für die Protestmail der ZSP an FagorMastercook findet sich unter diesem Link: http://cia.bzzz.net/ fagormastercook_protest (RO)




















