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Erschienen in: Direkte Aktion 207 – Sept/Okt 2011

Editorial

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Ganz recht, Ihr habt richtig gelesen: Nach drei Jahren Dauerkrise und Monaten des „Arabischen Frühlings“ wartet jetzt auch die Direkte Aktion mit einem Schwerpunkt zum antikapitalistischen Lieblingsthemenkomplex Krise & Revolte auf – originell, nicht wahr? „Was kommt als nächstes: Israel, Palästina und die deutsche Linke?!“ mag sich die eine oder der andere LeserIn denken. Nein, so sommerlöchrig war die letzte Zeit nun nicht. Die VIPs der industrienationalen Staatengemeinschaft treffen sich zu einer Krisenparty nach der anderen, und die Politillustrierten tragen den dortigen Klatsch & Tratsch raus in die Welt: Wer hat sein Staatsdefizit zu dick aufgetragen, wessen Sparprogramm war zu kurz geschnitten, und wessen nationale Trinksprüche waren dann doch etwas unter der Gürtellinie?

All dies Gebrabbel soll uns natürlich nur am Rande interessieren. Denn vielmehr als das Treiben der Staatsspitzen kümmert uns das Befinden und Handeln derjenigen, die bei solchen Events nicht auf der Gästeliste stehen. Massen von Menschen besetzten Straßen und Plätze, leisten dem martialischem Aufgebot diverser Uniformierter Widerstand - noch 2009 hätten die meisten bei solchen Beschreibungen lediglich an Griechenland gedacht. Heute können solche Bilder aus jeder Region entlang des Mittelmeeres oder sogar dem Überwachungs- und Neoliberalismusmusterstaat UK stammen.

Die ökonomische Krise als gemeinsamen Ausgangspunkt der Bewegungen, Aufstände und Revolten auszumachen ist eine Aufgabe, die die deutschen Mainstreammedien schon zu überfordern scheint. Oder steckt hinter dem einheitlichen Krisenkanon von Medien und Politik doch mehr als nur ideologische Einfaltspinselei? Zu dieser Frage startet in dieser Ausgabe ein kleiner Zweiteiler (siehe Der Rubel rollt ins Haifischbecken). Allgemein wollen wir mit dem aktuellen Schwerpunkt die Verdammten dieser Krise in den Fokus stellen. Jenseits von Eurobonds, Staatsanleihen und chinesischem Devisenüberschuss blicken wir auf die Entwicklungen, die direkt von unten, von den Menschen ausgehen – als Reaktion auf (drohendes) Elend einerseits, als der Versuch, die Chance zur Veränderung für eine bessere Wirklichkeit zu nutzen andererseits (hierzu Berichte u.a. aus Spanien und Polen bei Globales). Eine politische Einschätzung der Bewegungen und Revolten in Ägypten und Libyen wagt in Thesenform Gerhard Hanloser für Hintergrund.

Kritisch mit dem Slogan „Wir zahlen nicht für Eure Krise“, nach wie vor weitverbreitet, wird sich im Leitartikel auseinandergesetzt. Vom Wortlaut ähnlich poltern auch Medien- und PolitikvertreterInnen im völkisch aufgeladenen Ton daher, und verorten wider aller Vernunft den Herd aller Probleme – wo sonst – in anderen Ländern. Dorthin sollen die Krisenfolgen genauso abgeschoben werden, wie es mit ausgebeuteten Illegalisierten schon lange traurige Praxis ist. Wie sich einige von ihnen gegen die unmenschlichen Praktiken des deutschen Abschiebevollzugs wehren, lest ihr unter Den guten Schein nicht wahren.

Gewiss ist nach wie vor nur eins: Nichts ist für immer.

Marcus Munzlinger (Kultur)

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