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Erschienen in: Direkte Aktion 208 – Nov/Dez 2011

Keine Glückssache

Auch der Spielgerätehersteller „Bally Wulff“ setzt auf Outsourcing. Ein Kollege der FAU Berlin wehrt sich.

— abgelegt unter:

„Ausgezockt, Bally Wulff! Gegen Lohndumping und Oursourcing“
„Ausgezockt, Bally Wulff! Gegen Lohndumping und Oursourcing“
Der Hersteller für Geldspielgeräte „Bally Wulff“ aus Berlin ist seit einigen Jahren dabei, die Produktionsstätte in eine Denkfabrik zu verwandeln. Seit Jahren findet eine „Umstrukturierung“ statt. Die DA bat Markus, der sich derzeit mit der FAU Berlin im Konflikt mit Bally Wulff befindet, seine Geschichte zu schildern. Die Druckerei, in der er arbeitet, wird im Juni 2012 geschlossen.

 

Nun ist es wohl soweit, nach über 23 Jahren im selben Betrieb hat es auch mich erwischt. Die Kündigung ist da. Keine Überraschung. Meine persönliche Stellung im Betrieb sah ich schon seit einigen Jahren als nicht besonders gefestigt an. Ein konsequentes Eintreten für meine Rechte bis hin zu einem Rechtsstreit über Arbeits- und Urlaubszeiten machten mich bei der Geschäftsleitung unbeliebt. Der Betriebsrat blieb meist inaktiv und fühlte sich durch mein eigenständiges Handeln des öfteren vorgeführt. Unterstützt hat er mich eigentlich nie.

Im September wurde ich dann zur Geschäftsleitung bestellt. Ein Betriebsratsmitglied, das sich als Zeuge zur Verfügung stellte, habe ich abgelehnt und lieber einen Kollegen mitgenommen. Im Gegenzug fungierte das Betriebsratsmitglied dann jedoch als Zeuge der Geschäftsleitung. Das Gespräch mit dem Geschäftsführungsmitglied selbst erschien mir eher peinlich. Interessanter war dann schon die später folgende Kündigung, die sich als Änderungskündigung entpuppte. Aufgrund meiner langen Betriebszugehörigkeit soll ich noch bis zum Juni nächsten Jahres in der Druckerei arbeiten. Anschließend soll ich eine Stelle in einer anderen Abteilung annehmen, welche eine minderqualifizierte Arbeit und Lohneinbußen von fast 1.000 Euro brutto im Monat beinhalten würde. Dieses Angebot ist zu diesen Konditionen eine Zumutung! Ich könnte mir vorstellen, dass es meine Lust mindern soll, im Betrieb zu bleiben. Ebenso erschwert es meinen juristischen Stand, dass der Betriebsrat der Kündigung in dieser Form nicht widersprochen hat. Nun gehe ich mit meiner Sektion und dem Allgemeinen Syndikat dagegen vor – juristisch wie auch vor dem Betrieb.

Seit Jahren werden Abteilungen geschlossen, Produktionsabläufe ausgelagert und ehemals feste Arbeitsverhältnisse durch Leiharbeitskräfte oder befristet Angestellte ersetzt. Das greifen wir auch mit unserer Kampagne auf: denn auch, wenn es hier konkret um meinen Fall geht, handelt es sich doch um ein allgemeines Problem – Outsourcing und Prekarisierung.

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