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Erschienen in: Direkte Aktion 209 – Jan/Feb 2012

Von Döner und Menschen

Ein Kommentar von Markus Liske

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Ein Kommentar von Markus Liske (Zeichnung: Findus)

20 Jahre nachdem ein völkischer Mob in ganz Ostdeutschland Asylbewerberheime stürmte, 18, 17 bzw. 15 Jahre nach den Toten von Mölln, Solingen und Lübeck stellen Politik und Medien erschüttert fest, dass es einen rechten Untergrund gibt, der Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder Herkunft tötet. Kein neues Verbrechen befördert diese Erkenntnis, sondern eine bereits 11 Jahre andauernde Mordserie. Man muss den TäterInnen dankbar sein, dass sie ein perverses Video-Geständnis hinterließen. Sonst wären die Morde wohl für immer einer gemutmaßten türkischen Döner-Mafia zur Last gelegt worden, inklusive Kriminalisierung der Opfer. Dass sich mit solchen xenophoben Verdachtsmomenten eine rechte Mordtat ganz wunderbar verbergen lässt, hat schon der Anschlag in Lübeck gezeigt, dessen zehn Tote bis heute nicht als Opfer rechter Gewalt anerkannt werden. Sei‘s drum, das Video ist da und die Gesellschaft erschüttert – wenigstens für ein paar Wochen. Man pumpt neue Gelder in die Sozialarbeit und denkt mal wieder darüber nach, die NPD zu verbieten. Die Hauptsache: Niemand fragt, wo das alles eigentlich herkommt. Es darf nicht daran erinnert werden, dass die Chronologie rechter Gewalt vor 1990 auf einem Bierdeckel Platz findet, während seit 1990 mindestens 147 Todesopfer zu beklagen sind. Denn machte man sich das bewusst, müsste ja die Erkenntnis folgen, dass die Wurzeln dieses rechten Untergrunds in der größten nationalen Erfolgsgeschichte zu suchen sind, der sogenannten „Wiedervereinigung“, die ihren völkischen Pferdefuß schon im Namen trägt. Das darf nicht sein. Lieber wieder lang und breit über ein NPD-Verbot diskutieren, während das eigentliche Thema in der Presse erkaltet, so dass am Ende, wenn sich die NPD dank ihrer VS-Vernetzung mal wieder nicht verbieten lässt, niemand mehr wissen wird, warum man sie überhaupt verbieten wollte. Und all die Zeit wird so lange „Gegen Extremismus von beiden Seiten!“ geschrien, bis brennende Autos und brennende Menschen wieder eins sind. Bis nichts bleibt, als der bürgerliche Schauer über eine gewalttätige Welt, die dringend mehr Überwachung und Kontrolle braucht. Darauf eine Lichterkette!

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Kommentare
BakuninsGeist sagt
28.01.2012 20:05
Der Kommi ist Sarkasmus pur. Aber auch meinereiner kann nur noch mit Sarkasmus reagieren, weil zwar alle gegen böse Nazis sind (Aber es gibt ja auch gute Nazis, die nur die Wahrheit sagen und Bestseller schreiben, nicht wahr, Thilo?) aber mehr als Unschuldsbekundungen und eine Lichterkette zum Erleichtern des Gewisssens sind ja nicht drin. Mehr wäre ja Arbeit ... und obendrein wäre dann selbstreflextion gefragt. Nein, also das geht ja wirklich nicht. Lieber nochmal die Februaraufmärche in Dresden kriminalisieren und den Gegendemonstranten in Dresden drohen sie einfach mit dem Räumpanzer wegzuschieben und/ oder drüberzufahren (wie Jüngst erst wieder durch den dresdner Polizeichef geschehen)

Zur Wiedervereinigung und ihren Folgen:
Zwar sagt es Liske nicht explizit, aber die Wiedervereinigung war ein Fehlschlag. Die Idee dahinter war zwar eine nicht so schlechte, doch die Umsetzung die schlechteste von allen. (noch schlechter wäre nur ein Bürgerkrieg gewesen) Die Wiederverinigung war auch nicht das unbedingte Ziel der damaligen bewegung. Man strebte eher eine demokratische, eigene Ostrepublik an. das wäre in mancherlei Hinsicht vielleicht die bessere Lösung gewesen. Dann hätte der Osten sich selbst entwickeln können anstatt bis heute unter Bevormundung durch die westlichen nachbarn zu leiden. Denn bis heute ist der Osten für viele das "deutsche China". Hier kann man die Leute ruhig ausbeuten, minder bezahlen und am Ende noch so tun als sei man selbst der rechte. Zu gern wird den "Ossis", aber selbst der Wendegeneration aus der ich komme, der Mund zugehalten. Sei doch still, Ossi, du bist nicht dafür da zu entscheiden oder dich offen zu äußern. Tu einfach was Mutti in Bonn sagt dann wird alles gut. Gleichzeitig drängen viele junge Ostler in den Westen, weil die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen bedingungen hier mehr als prekär sind. Eine hausgemachte Prekärität.

Vernachlässigte Menschen sind gefährliche Menschen. Und vernachlässigte Menschen neigen dazu in ihrer Hoffnungslosigkeit altem Hass zu frönen. Zumal bis heute im Osten die SED-Mentalität herrscht, dass man sagt "Hier gibt es keinen Rechtsextremimus" - eben aus Prinzip, nicht weil es der Realität entsprcht. Es hat einfach keine Nazi zu geben. Punkt. Dass es sie trotzdem gibt ist völlig belanglos und wer es dennoch behauptet wird ganz altsozialistisch mit staatlichen Repressionen überzogen. Das System Sachsen eben. Ein System in dem die CDU fester im Sattel sitzt als selbst in den verwildersten, bayrischen Dörfern. Ein System wo man die Polizei und Ordnungsämter mit "die Königstreuen" betitelt. Postmornachistischer Osten.

Wundert es dann also wirklich, dass es ein System des Terrors ist, was den Osten fest in seiner Hand hat? Die DDR wurde nie aufgelöst. Nur umbenannt.

Darauf noch ein Räumpanzer! Für die Lichterkette wirds nicht reichen. Die wird schon vorher von Der Stasi ... pardon ... dem SEK zusammengeschlagen ...
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