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Berlin: Nacht über Europa?

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Am Mi, 21. Dezember um 20.00 Uhr | Ort: FAU-Lokal, Lottumstr. 11 (nahe U2 Rosa-Luxemburg-Platz)

Was
  • Termin
  • Podiumsdiskussion
Wann 21.12.2011
von 20:00 bis 22:45
Wo FAU-Lokal, Lottumstr. 11 (nahe U2 Rosa-Luxemburg-Platz)
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Die "Direkte Aktion" blickt zurück auf das Jahr 2011. Dieses vierte Jahr der Krise hat eine weltweite Welle von Streiks, sozialen Protesten und Aufständen hervorgebracht, die vielen Zuversicht gibt. Auf der anderen Seite haben aber auch autoritäre Krisenlösungen Aufwind bekommen: Reaktionäre Kräfte profilieren sich in einer Situation der Instabilität, sozialchauvinistische und nationalistische Positionen nehmen zu. Und die EU, in der Deutschland die Vormachtstellung eingenommen hat, droht in nationalstaatliche Lösungen oder in ein technokratisches Staatsgebilde abzugleiten. Wir richten deshalb unseren Blick auf diese, in linken Diskussionen häufig vernachlässigte Seite der Krise und diskutieren, welche Chancen und Risiken darin liegen. Diskussionsveranstaltung u.a. mit Bernd Beier (Redakteur der Jungle World), Ralf Dreis (DA-Autor und Griechenland-Korrespondent), Andreas Koob (Autor mit Osteuropa-Schwerpunkt). Weitere angefragt.

Nacht über Europa?

Chancen und Gefahren der Krise. Ein Rück- und Ausblick.

"Wir können einer höheren Kultur entgegengehen, aber auch dem Abgrund. Große Zeiten kommen manchmal und finden kleine Menschen. Dann, wenn die Gelegenheit verpasst wird, geht das unter, was uns groß und mächtig machen konnte."
Rudolf Rocker (1919)

Das Jahr 2011 war das inzwischen vierte Jahr der Weltwirtschaftskrise, die mit dem großen Immobiliencrash 2007 anbrach. In vielerlei Hinsicht stellt das vergangene Jahr den vorläufigen Höhepunkt der Krise dar. Nicht nur geriet der gesamte Euroraum in einen Sog der Instabilität, im Fahrwasser der Krise brach sich auch eine weltweite Welle von Streiks, sozialen Protesten und Aufständen Bahn, wie es sie seit 1968 nicht mehr gegeben hatte. Nicht ohne Grund wurde und wird die Krise in linken Kreisen als Chance gesehen, wieder einen breiteren Widerstand gegen die kapitalistischen Verhältnisse zu entwickeln. In der Tat wächst sich die wirtschaftliche Krise zunehmend zu einer politischen Krise aus, die neue Räume für Bewegungen und Alternativen schafft. Kapitalismuskritische Positionen sind mittlerweile selbst in den konservativen Feuilletons angekommen.
 
Was dabei häufig übersehen wird, ist, dass die Krise nicht nur emanzipatorische Lösungsvorschläge begünstigt. Auch autoritäre Formen der Krisenbewältigung haben Konjunktur. Das Modell Deutschland etwa, das auf einer nationalistischen Wirtschaftspolitik basiert, garantiert relative Stabilität in der Krise – auf Kosten anderer Volkswirtschaften. Die gestärkte Machtposition Deutschlands in Europa, die unter anderem in einem Quasi-Protektorat über Griechenland ihren Ausdruck findet, ist eine direkte Folge davon. Einher geht damit die Zunahme sozialchauvinistischer und rassistischer Positionen, mit denen soziale Unzufriedenheiten wirkungsvoll auf Feindbilder kanalisiert werden. Wie durchschlagend autoritäre Krisenbewältigungen sein können, zeigt das Beispiel Ungarn in erschreckender Weise. Hier scheint ein Land inmitten der EU von einem Prozess der Faschisierung erfasst worden zu sein.

Zugleich gelingt es den Widerstandsbewegungen noch nicht, wirkungsvolle Ansätze der gesellschaftlichen Transformation zu entwickeln. So hat der „Arabische Frühling“ zwar alte Herrscher zu Fall gebracht, bisher aber nicht die erhofften sozialen Veränderungen hervorgebracht. Zugleich haben auch fragwürdige politische Kräfte von dem Aufbruch profitieren können. In Griechenland wiederum haben die sozialen Kämpfe zwar ein Höchstmaß an Intensität erreicht, einen Fluchtweg aus den bestehenden Verhältnissen hat die Bewegung dennoch nicht betreten können. Vielmehr ruft die durch diese Kämpfe zunehmende Instabilität sprichwörtlich reaktionäre Bewegungen auf den Plan, die sich als Organisatoren von Sicherheit profilieren. Im Gegensatz zu den Krisenprotesten der linken bzw. sozialen Bewegungen, die fast ausschließlich von der Spontaneität getragen werden, sind solch reaktionären Bewegungen relativ gut aufgestellt und verfolgen eine klare Strategie. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, dass sie die entstehenden Machtvakuen zu nutzen wissen.

Bereits 2008, als in der Linken noch eine gewisse Krisenaufbruchsstimmung herrschte, war in der Direkten Aktion zu lesen: „Eine Krise ohne eine vitale und bewusste Arbeiterbewegung ist eher eine Chance für die Reaktion als für den Fortschritt. Eine Bewegung, die das ignoriert, wird von den Ereignissen überrollt und muss mit ansehen, wie die Geschichte einen dunklen Weg nimmt.“ Diese Mahnung gilt in diesen Tagen mehr denn je. Es scheint nicht abwegig, dass sich im krisenbedingten Wechselspiel von Aktion und Reaktion letztlich die düstere der Perspektiven durchsetzen könnte. Die antidemokratischen Tendenzen der Märkte und Regierungen, das mögliche Abgleiten der EU in nationalstaatliche Lösungen oder in ein technokratisches Staatsgebilde, die Zunahme von Feindbildern und internationalen Spannungen weisen auf eine Dynamik hin, der die gegenwärtige Linke nicht gewachsen sein könnte.

Die Direkte Aktion lädt zum großen Rückblick auf das Jahr 2011. Referenten werfen einen Blick auf die hotspots der Krisenkämpfe und welche reaktionären Entwicklungen damit einhergingen. Und wir wagen den Ausblick: Wohin steuert Europa? Lässt die gegenwärtige Verfasstheit der Linken überhaupt zu, dass das sich öffnende Zeitfenster für emanzipatorische Entwicklungen genutzt werden kann? Oder reitet die Krisendynamik womöglich bereits auf einer Welle, die an den vorherrschenden Ansätzen linker Politik vorbeirauscht? Und welche Herausforderungen liegen in der reaktionären Seite der Krise? Müssen diese nicht ebenso im Kalkül einer linken Strategie gegen die Krise mit berücksichtigt werden, wenn man der Reaktion keinen Vorschub leisten möchte? Welche Handlungsoptionen ergeben sich daraus?

Es informieren und diskutieren u.a.:
• Bernd Beier (Redakteur der "Jungle World")
• Ralf Dreis (Autor und Griechenland-Korrespondent)
• Andreas Koob (Autor mit Osteuropa-Schwerpunkt)
• Weitere angefragt

Eine Diskussionsveranstaltung der "Direkten Aktion" (anarchosyndikalistische Zeitung).


Eintritt: frei

Weitere Informationen: http://www.fau.org/berlin

Organisiert von: Direkte Aktion | siehe http://www.direkteaktion.org

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