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Münster: „Alter“ und „neuer“ Syndikalismus
Am Dienstag, 21.12.2010 um 19 Uhr, Interkulturelles Zentrum Don Quijote, Scharnhorststr. 57
Noch ein Abschied von der Arbeiterklasse?
„Alter“ und „neuer“ Syndikalismus in Deutschland 1910 – 1968
In den revolutionären Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg waren die
deutschen AnarchosyndikalistInnen in ihrer Theorie durchaus
marxistisch. In den Worten Paul Matticks waren sie die neuen Marxisten,
nachdem der Marxismus gescheitert ist. Syndikalisten wie Karl Roche,
Rudolf Rocker und viele andere zitierten die Schriften Marx’ und selbst
wenn sie dies nicht hatten, war ihre Definition von „Arbeiterklasse“
eindeutig eine marxistische. So bezog sich Roche z.B. positiv auf die
„Diktatur des Proletariats“ in der Tradition von unorthodoxen
MarxistInnen wie Rosa Luxemburg.
Im Gegensatz dazu proklamierte der sog. „neue“, manchmal sogar
„revisionistisch“ genannte Syndikalismus kurz vor und bis lange nach
dem Zweiten Weltkrieg als „antimarxistisch“ mit dem hintergründigen
Wissen um den russischen Staatskapitalismus und die Rolle der UdSSR im
Spanischen Bürgerkrieg. Der „neue“ Syndikalismus sah sich in einer
liberalen Tradition. Rudolf Rocker z.B. distanzierte sich von der Idee
einer revolutionären Arbeiterklasse.
Der syndikalistische Abschied von der Arbeiterklasse war nicht die
Öffnung für die Massen, die sich die „neuen“ SyndikalistInnen
erhofften. Es war der Abschied einiger Intellektueller von einer
schrumpfenden Arbeiterbewegung. Als in den 1960er Jahren auch in
Deutschland die dritte globale Welle der Arbeiterunruhe ankam, hatte
sich der Syndikalismus von der Arbeiterklasse entfremdet. Er war nur
noch ein reiner Anarchismus ohne marxistische Grundbegriffe des
Klassenkampfes. Der neue Aufstieg der Arbeitermilitanz fand seinen
theoretischen Ausdruck im Operaismus. Aber manchmal wiederholt sich
Geschichte offensichtlich doch...
Die FAU Münsterland entschuldigt sich für den arg akademischen Vortrag. Generalprobe für eine wissenschaftliche Tagung zu Steiks und sozialen Konflikten... und warum sollt ihr dann nichts davon haben?
Der Eintritt ist frei
Organisiert von: FAU Münsterland




















