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Erschienen in: Direkte Aktion 198 – März/April 2010

„Denen muss in den Arsch getreten werden!“

FAU Berlin erhält Unterstützung von Solidaritätskomitee

— abgelegt unter:
Eines der Panel der Podiumsdiskussion am 30. Januar in Berlin

„Hier ist etwas passiert, das eine Gefahr bedeutet für die gesamte Vertretungsstruktur in Deutschland. Und kleiner sollten wir es auch nicht halten,“ forderte die Potsdamer Historikerin Renate Hürtgen die ZuhörerInnen in der Volksbühne energisch auf. Zusammen mit Juristen, Gewerkschaftern, BürgerrechtlerInnen und SozialwissenschaftlerInnen diskutierte die FAU Berlin am 30. Januar auf einer Podiumsveranstaltung mit dem Titel „Neue Formen von Arbeit und kollektiver Organisierung“.

Das vorangegangene De-facto-Gewerkschaftsverbot gegen die FAU Berlin durch das Berliner Landgericht gab dabei genügend Anlass zur Sorge. Die PodiumsteilnehmerInnen stellten heraus, dass sich die Gewerkschaften dem Wandel der Arbeitswelt anpassen müssten und daher zwangsläufig mehr Basisorientierung brauchten. Dass genau diese Eigenschaft der FAU Berlin nun zum Verhängnis wurde, bezeichnete der Politologe Jochen Gester als „einen gerichtlichen Versuch, das Koalitionsrecht nicht zu schützen, sondern es zu verhöhnen.“

Aber welche gemeinsamen Strategien lassen sich entwickeln? Gibt es überhaupt ein gemeinsames Interesse an der Verteidigung der Gewerkschaftsfreiheit? Oder wird diese in Zeiten der Krise eher als Gefahr wahrgenommen? Am Ende der Veranstaltung war jedenfalls klar, dass es den Wunsch nach einer konkreten Zusammenarbeit gibt – das gemeinsame Interesse überwog die Differenzen.

Gut zwei Wochen darauf gründete sich das „Solidaritätskomitee für gewerkschaftliche Freiheit“. Das Komitee verfasste einen Appell „Für die Verteidigung des Koalitionsrechts – Aufhebung des Verbots gewerkschaftlicher Betätigung für die FAU Berlin“, mit Erstunterzeichnungen von 45 aktiven GewerkschafterInnen und Betriebsräten, z.T. aus namhaften deutschen Großbetrieben sowie von BürgerrechtlerInnen, u.a. aus der ehemaligen DDR.

Innerhalb einer Woche unterschrieben über 200 Einzelpersonen aus ganz Deutschland den Appell, darunter auch die gekündigte Berliner Kassiererin Emmely und der emeritierte Professor und Gewerkschaftsexperte Bodo Zeuner. Weitere Unterstützung aus dem europäischen Ausland ist bereits angekündigt.

Die Unterzeichnenden setzen sich für das Recht ein, sich in Gewerkschaften eigener Wahl zusammenschließen und betätigen zu können. „Die aktuelle Arbeitsrechtsprechung erweist sich immer mehr als Versuch, dieses grundlegende Recht einzuschränken, seine Ausübung zu erschweren und letztlich zu vereiteln“, heißt es in dem Appell.

Julia Hoffmann

 

Der Appell findet sich in voller Länge auf: http://labournet.de/diskussion/gewerkschaft/real/fau.html

Kontakt zum Komitee: koalitionsfreiheit(a)googlegroups.com

 

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