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Erschienen in: Direkte Aktion 201 – Sep/Okt 2010

„Sind Männer nur Frauen mit Eiern?“

DIW-Studie belegt Geschlechterstereotypen und Intransparenz bei Löhnen. Ein Kommentar

— abgelegt unter:
Ein Kommentar von Julia Hoffmann (gezeichnet von: Findus)

„Sind Männer nur Frauen mit Eiern?“ Diese Frage, die Carry Bradshaw in Sex and the City zu beantworten versucht, stellt sich mitunter wohl auch Familienministern Christina Schröder. Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen seien schließlich „nicht das Ergebnis bewusster, schenkelklopfender Diskriminierung", weiß Schröder.

Die aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zur Einkommensgerechtigkeit weist hingegen sehr deutlich auf die Folgen von Geschlechterstereotypen und Intransparenz bei der Entlohnung hin.

Ob als Zuverdienerinnen, Teilzeitkräfte oder in Führungspositionen: Frauen verdienen bundesweit 23% weniger als Männer. Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen werden gemeinhin als ungerecht wahrgenommen, denn schließlich soll ja gleicher Lohn für gleiche Arbeit gelten. Die Forderung der Politik lautet jedoch: gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit.

Ähnlich wie ein nachwachsender Rohstoff wird die meist von Frauen verrichtete, reproduktive Arbeit als unbegrenzt und ständig verfügbar betrachtet. Wenn es sich bei Kinderbetreuung oder Hausarbeit also um eine „natürliche“ Tätigkeit handelt, die keinen eigenen Wert aufweist, ist die Arbeit auch nicht gleichwertig und muss folglich auch nicht (gleich) bezahlt werden.

Frauen konzentrieren sich außerdem häufiger auf Branchen mit niedrigem Verdienstniveau, sie machen seltener Karriere, unterbrechen öfter das Erwerbsleben oder arbeiten vermehrt in Teilzeit, weil sie sich um die Familie kümmern. All das kann einen Teil des starken Lohngefälles begründen. Statistisch lässt sich aber nur ein Drittel der Einkommenslücke so erklären. Bei den restlichen zwei Dritteln drängt sich der Gedanke auf: Es hat tatsächlich mit Eiern zu tun!

Maßnahmen von Politik und Gewerkschaften, wie z.B. die niedrige Bewertung bestimmter Branchen in Tarifverträgen oder das Ehegattensplitting, verstärken die Ungleichheit zugunsten von Besserverdienenden und Männern. Kein Zufall, ist doch unbezahlte und unterbezahlte Arbeit eine Bedingung für den Kapitalismus.

Julia Hoffmann

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