Die Fleischindustrie – das Herz der Ausbeutung

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„Fleisch steht seit Langem für die Freiheit, nach Belieben auszubeuten.“1 Tiere müssen unter erbärmlichen Zuständen als ihrer Würde beraubte Produkte in überfüllten Mastbetrieben bis zur Schlachtung leiden, für den Profit. Mit der Schlachtverordnung vom 1.1.2013 legte die EU zudem den Tierschutz in die Hände der Schlachthofbetreiber und schuf die Voraussetzung für unkontrollierte, tierverachtende Vorgänge in den Betrieben. Dazu profitieren insbesondere Großbetriebe von den EU-Subventionen. Sie sind es auch, die in hohem Maße auf LeiharbeiterInnen aus Niedriglohnländern zurückgreifen. Dies geschieht über Subunternehmen in den Herkunftsländern – sie bestimmen über Einsatzort, Gehalt und Unterkunft. (Siehe DA 229) Ergebnisse sind Lohndumping und Dequalifizierung. Und wie sieht es mit den

Arbeitsplätzen vor Ort aus?

Belastungen am Arbeitsplatz

Im Schlachthof zu arbeiten heißt arbeiten im Akkord. Unvorbereitet, mangels Sprechkenntnissen ohne Möglichkeit, sich mit Vorgesetzten zu verständigen, treffen die LeiharbeiterInnen auf ein gewalttätiges Arbeitsumfeld, in dem sie unter enormem Zeitdruck am Fließband gefährliche, immer wiederkehrende monotone Arbeitsschritte durchführen müssen. Beispielsweise trennen sie Gliedmaßen ab oder verpacken Tierteile. Dabei verbringen sie ihre oft 13-stündige Schicht in überfüllten Fabrikgebäuden und stehen auf Böden, die oftmals von Fett und Blut überströmt sind. Je nach Arbeitsplatz sind sie ständiger Hitze oder Kälte ausgesetzt. Genauso wie die Tiere in den Mastbetrieben sind auch sie anfällig für Infektionskrankheiten sowie Reizung und Schädigung der oberen Atemwege. Bei dem Abtrennen von Gliedmaßen an toten Tieren kommt es zu schweren Verletzungen aufgrund des vorgegebenen Arbeitstempos: Augenverletzungen, Schnittwunden, Stürze oder der Verlust eigener Gliedmaßen. Eine medizinische Behandlung findet selten statt. Es ist billiger, die ArbeiterInnen zu verschleißen, in das Herkunftsland zurückzusenden und zu ersetzen. Viele werden aber nicht nur zum Abtrennen von Körperteilen und Abpacken eingesetzt. Über Stunden hinweg müssen sie auch betäuben und töten. Dies führt zu enormer psychischer Belastung. Das Resultat daraus sind Gewaltausbrüche gegenüber den anderen Opfern der Fleischindustrie. Zitat eines Arbeiters: „Also, einmal haben mich die reingetriebenen Schweine wahnsinnig gemacht [… da] kriegst du so einen Hass auf ein Tier, [auch wenn du] es ja sowieso tötest. […] Bloß, du tötest es nicht einfach, du stößt fest zu und haust so richtig rein, zerschneidest die Luftröhre, lässt es in seinem eigenen Blut ertrinken. Spaltest ihm die Nase.[…]“2 Menschen haben eine angeborene Abneigung gegen das Töten, dies zeigen wissenschaftliche Studien auf, meist aus der militärischen Forschung. Der ohrenbetäubende Lärm der Maschinen und die Angstschreie der Tiere steigern die Aggressivität der ArbeiterInnen. Durch die mangelhafte Ausbildung und den Zeitdruck, durchschnittlich fünf Sekunden für ein Tier, stechen ArbeiterInnen oft fehlerhaft zu. Für das Tier bedeutet dies die Verlängerung seiner Qualen. Viele erleben den Beginn der Abtrennung ihrer Gliedmaßen oder erreichen den 62 Grad heißen Brühtank bei vollem Bewusstsein, der bei Schweinen zur Enthaarung dient. Manche ArbeiterInnen gewöhnen sich gezwungenermaßen an die ihnen abverlangte Gewalt und erklären in der Folge „Härte“ zur Voraussetzung für die Ausübung ihrer Tätigkeit.3 Ist der Mensch psychisch betäubt, werden gewisse Handlungen zur Routine: „Das Schlimmste, schlimmer als die körperliche Gefahr, ist der emotionale Preis, den man zahlt. […]“4 Viele ArbeiterInnen sind traumatisiert und kompensieren ihren eigenen Stress: „Die meisten Stecher haben schon einmal wegen Körperverletzung eingesessen. Viele haben Alkoholprobleme. Sie müssen trinken, anders können sie nicht damit umgehen, dass sie den ganzen Tag lebende, zappelnde Tiere töten.[…]“5, so ein Arbeiter.

Ausbeutung für den Konsum?

Ein Oligopol herrscht über die Fleischindustrie. Wie die Umsätze steigen, so sinken die Löhne. Der Import von Tieren als Lebendware und Arbeitskräften wächst. Sowohl Tiere als auch Menschen werden in den deutschen Schlachthöfen physisch und psychisch ausgebeutet und malträtiert. Dies kann nicht länger ignoriert werden. Die Fleischindustrie ist wesensverachtend: Kein Leben zählt, Menschen werden in Maschinen verwandelt, Tiere nur als Produkte wahrgenommen und misshandelt. All dies im Dienste der Fleischherstellung für die KonsumentInnen. Ihr Appetit nach Fleisch treibt diese Industrie mit an, einschließlich ihrer Gewalt an Menschen und Tieren.

 

 

[1] Nick Fiddes, Fleisch. Symbol der Macht. Frankfurt/M. 1993. [2] Melanie Joy, Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen. Karnismus – eine Einführung. Münster 2013.[3] Fleischatlas 2014, verfügbar auf http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/landwirtschaft/140108_bund_landwirtschaft_fleischatlas_2014.pdf.[4] Joy, Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen. Karnismus – eine Einführung.[5] Ebd.

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