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Aufbrüche

Der Mensch ist ein Wesen der Möglichkeit. (Giorgio Agamben)

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Wie unbefangen manche Lieblosigkeiten sind, wenn sie durch den Raum schreiten, als wären sie Einsatzkommandos zur Sperrung der Innenstadt, mit einer blitzschnell aus dem Halfter gezogenen Großspurigkeit, die jedes Lächeln zum Erliegen bringt, auftrumpfende Belanglosigkeiten, die noch mit ihrer Unempfindlichkeit prahlen, sich nur mit aufsteigenden Härtegraden abgeben, den höchsten Scheinheiligtümern. Und danach? - Eine in aller Öffentlichkeit stattfindende Vermehrung von Sichtweisen, die es knallen lassen wie Rammböcke, selten reichen die Ideen zwei Tage weiter, auf diese Weise kommen sie ans Ziel. So wächst in uns der Alltag heran und wird erwachsen.


Aber unsere Zärtlichkeiten halten zusammen, als ginge es ums Überleben, und unsere Nähe belebt uns, wenn die Nächte den Sätzen die Lichter ausblasen. Ja, mit einer einzigen Berührung kleben wir unsere Gedankenwelten aneinander, damit unsere Sehnsucht - oft nass und frierend - sich darunter verkriechen kann wie unter einer dicken Decke. Und wenn draußen die Einschläge abklingen, führt uns die Verzweiflung darüber hinaus und beginnt, unsere Ratlosigkeit aufzubrechen, die ist wie blickdichtes Glas. Wenn wir sehen wollen, müssen wir Unterwürfigkeiten sprengen, müssen wir Scheiben durchstoßen.


Und wenn wir heraustreten, dann sprechen wir keine Halbheiten mehr nach, ja, dann rücken wir Stühle zusammen, die Himmelsrichtungen aneinander und breiten unsere Sätze unter freiem Himmel aus. Wir tasten uns vor in die Luftschichten unserer Hoffnungen und kommen zugleich mit unseren Umarmungen auf die Anfänge zurück, nehmen unsere Worte beim Wort. Wir möchten nicht kleinlich sein, doch halten wir die Lautstärke klein, denn wir wollen es nicht knallen lassen, uns nicht mit steigenden Härtegraden erniedrigen, sondern die Zukunft erweichen, als wäre es das erste, das wir als Menschen tun, - mit nichts zum Nachahmen als einen Wassertropfen, der zu Boden fällt.


 

Ralf Burnicki

 

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