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Erschienen in: Verteilzeitung Mai 2016

FAUD con GAS

...oder wie die „Granatrote Flut“ an Düsseldorfs Ufer schlug

— abgelegt unter:

Seit Sommer 2015 bietet die FAU Düsseldorf zusammen mit der Grupo de Acción Sindical NRW eine kostenlose gewerkschaftliche Erstberatung an. Die meisten spanischsprechenden Arbeiter*innen, die seitdem zu uns gekommen sind, haben den Weg über das Oficina Precaria von Marea Granate NRW genommen. Die Probleme der Kolleg*innen sind bisher sehr ähnlich – wenn es auch einige Ausreißer gegeben hat, die wir nur an Rechtsanwält*innen weiterleiten konnten. Fast immer geht es um Unregelmäßigkeiten mit dem Lohn, Fragen zum Urlaub, zu Arbeitszeiten und natürlich auch immer wieder um Kündigungen. Zwei Konflikte möchten wir euch etwas näher vorstellen, da sie unserer Meinung nach nicht nur exemplarisch sind, sondern auch über reine Abwehrkämpfe hinausgehen.

GAS_NRW.jpgMaria und das Hotel

Maria hat eine Berufsausbildung in Spanien gemacht, in der Tourismusbranche. Im März 2015 fing sie als Putzfrau in einem Hotel in der Düsseldorfer Altstadt an. Noch in der vertraglichen Probezeit von sechs Monaten wurde sie aufgrund eines Arbeitsunfalls entlassen. Als sie zu uns kam, hatte sie natürlich erst einmal eine ganze Reihe von Fragen, zum Beispiel, ob es in Deutschland üblich ist, dass Arbeiter*innen Arbeitsunfälle selbst bei der Berufsgenossenschaft melden müssen. Doch die wichtigste Frage:

Was tun?

Wir haben ihr dann die grundsätzlichen rechtlichen Rahmenbedingungen erklärt und, nachdem sie sich dazu entschlossen hatte, ihr auch geholfen beim Arbeitsgericht zu klagen. Die Bosse hielten es nicht für nötig zum Gütetermin zu erscheinen. Uns war es recht, bekam Maria so doch einen vollstreckbaren Titel in Form eines Versäumnisurteils. Das bedeutet, dass sie ihre Forderungen durch einen Gerichtsvollzieher pfänden lassen kann. Damit war die Frage „Was tun?“ noch lange nicht beantwortet. Also haben wir uns danach noch einmal getroffen und gemeinsam überlegt, was wir noch tun könnten. Das Ergebnis unseres gemeinsamen Nachdenkens war:

Eine Demo für unsere Würde

Bei dieser Demo ging es nicht darum, vor einer juristischen Entscheidung Druck auf die Bosse auszuüben. Juristisch war der Fisch gegessen – nein, es ging Maria und uns einzig und alleine darum, zu zeigen, dass wir als Arbeiter*innen uns die Frechheiten der Bosse in Düsseldorf nicht länger widerspruchslos gefallen lassen. Marias Aufruf, sie bei der Behauptung ihrer Würde als Arbeiterin zu unterstützen, kamen gut 20 Menschen nach. Neben Mitgliedern der FAU Düsseldorf kamen vor allem Unterstützer*innen aus den Reihen von Marea Granate NRW, GAS NRW und der FAU Duisburg, die uns von Anfang an tatkräftig unterstützt hat. Am Samstag, den 5. März versammelten wir uns direkt am Hotel. Knapp zwei Stunden riefen wir zusammen Slogans in unseren verschiedenen Muttersprachen:

Spanisch: No hay pan - para tanto chorizo

Französisch: Qui sème la misère, récolte la colère

Englisch: an injury to one - an injury to all

An dieser Stelle müssen wir uns auch bei den zahlreichen Menschen bedanken, die uns spontan ihr Interesse und ihre Solidarität bekundet haben. Ganz besonders bedanken wir uns bei dem Bäcker der es sich nicht nehmen ließ, seine Pause dafür zu nutzen, uns mit einem neuen Slogan zu versorgen: „Helau! Helau! Hier arbeitet man für lau!“. Besonderes Erstaunen erregte die Tatsache, dass wir „den ganzen Aufriss“ (was ganz offensichtlich positiv gemeint war) für eine einzige Kollegin veranstalteten. Die Aktion zeigte noch am gleichen Abend eine unerwartete Wirkung: beide Hotelchefs meldeten sich reuig aus dem Urlaub mit der Ansage, alles schnellstens richtigstellen zu wollen (Was sie dann erwartungsgemäß nicht taten).

Khadija und die Reinigungsfirma

Khadija ist ausgebildete Altenpflegerin. Ohne Deutschkenntnisse bekommt sie in diesem Bereich keine Arbeit. Also hat sie erst einmal angefangen zu putzen. Als sie krank wurde, wurde sie entlassen. Allerdings war ihre Probezeit schon vorbei, eine Kündigung also nicht einfach so möglich. Auch sie entschloss sich, mit unserer Hilfe zum Arbeitsgericht zu gehen. Sie hat zum einen gegen ihre Entlassung geklagt und zum anderen ausstehende Löhne eingeklagt. Gegen das Versäumnisurteil wegen der Kündigung hat der Boss Berufung eingelegt. In dieser Sache werden wir ihn also noch einmal zum Arbeitsgericht müssen. Aber auch Khadija wollte von Anfang an mehr als nur ihr juristisches Recht.

Und jetzt kommt Ihr ins Spiel:

Achtet auf Ankündigungen, denn ab Mai werden wir je nach Bedarf kurzfristig zu mindestens einer Kundgebung aufrufen. Schaut auf
... unsere Homepage fau-duesseldorf.org
... und unseren Blog vsechs.blogsport.eu
... oder folgt uns auf Twitter: twitter.com/faudsseldorf

Eines ist klar: This is not the end – only the beginning.

F.T. und B.R., FAU Düsseldorf


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