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Erschienen in: Verteilzeitung Mai 2016

Schluss mit prekär - Weltweit!

Zum Arbeitskampf der CNT bei DHL gegen unsichere Arbeitsbedingungen

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DHL-PosttowerFür Menschen, die sich an libertären Idealen orientieren, sieht die politische Lage in Europa momentan unzweifelhaft unschön aus. Allerorts ist ein rechter Populismus auf dem Vormarsch, dessen Irrationalität seinem Erfolg nicht im Wege zu stehen scheint. Im Osten Deutschlands beispielsweise wird das christliche Abendland gegen „Ausländer“ verteidigt, die es kaum gibt. Christen sind vor Ort nur eine Minderheit neben anderen, nicht einmal darin, was dieses ominöse Abendland sein soll, ist man sich einig. Die vielgewählte Alternative für Deutschland (AfD) vertritt eine stramm national-liberale Politik, welche direkt nach den sogenannten „Ausländern“ einem Großteil der eigenen WählerInnen aus der Arbeiterklasse auf die Füße fallen wird.

Als SyndikalistInnen sind wir bislang jedoch kaum in der Lage, diesem nationalen Wahnsinn eine wahrnehmbare internationalistische Perspektive entgegen zu stellen. Klar, unsere Bewegung ist noch immer recht klein, unsere Möglichkeiten sind somit begrenzt. Es mangelt aber auch an einer klaren Strategie, die über die punktuelle Unterstützung von gewerkschaftlichen Kampagnen der Schwestergewerkschaften hinaus weist. Es fehlt ein gemeinsames Projekt, über das Dynamiken in Gang gesetzt werden können. Eine Handlungsoption für die syndikalistische Basisbewegung ist eine länderübergreifende Organisation auf betrieblicher Ebene. Wenn es gelingt, parallel in verschiedenen Staatsgebieten die Möglichkeit einer effektiven Selbstorganisation in einem Konzern aufzuzeigen, dann entsteht damit auch eine politische Perspektive jenseits des neoliberalen und rechtspopulistischen Irrationalismus.

Der Arbeitskampf der CNT

Seit März 2015 steht die spanische Schwestergewerkschaft der FAU, die Confederación Nacional del Trabajo (CNT), in einem Arbeitskampf mit dem in Bonn ansässigen Telekommunikations- und Logistikkonzern „Deutsche Post DHL Group“, beziehungsweise dessen Tochterunternehmen „DHL Freight“ in Barcelona. DHL ist weltweit dafür bekannt, dem Menschenrecht der Gewerkschaftsfreiheit nicht sonderlich viel Achtung entgegenzubringen. In zahlreichen Fällen wurden Gewerkschaftsmitglieder aus dem Konzern gedrängt. Zuletzt erhob die Internationale Transportarbeiterföderation (ITF) im März schwere Vorwürfe gegen DHL in Lateinamerika. Streikende Gewerkschaftsmitglieder seien in Chile bespitzelt und schließlich gefeuert worden, ließ die ITF verlautbaren.

Auch in Barcelona wurden die Mitglieder einer CNT-Betriebsgruppe letztes Jahr kurzerhand vor die Tür gesetzt, als sie sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen einsetzten. Die CNT tritt dem mit juristischen und gewerkschaftlichen Maßnahmen entgegen. Im Juni dieses Jahres wird der Fall vor dem Arbeitsgericht in Barcelona verhandelt. Die Chancen stehen gut, dass die Kündigungen für illegal erklärt werden. In der Zwischenzeit hat die CNT den Kontakt zu den KollegInnen im Betrieb ausgebaut und die Öffentlichkeit informiert. Die FAU unterstützt den Arbeitskampf ihrer spanischen Schwestergewerkschaft, indem sie KollegInnen von DHL auf den Arbeitskampf in Barcelona anspricht und für eine gemeinsame Organisierung in Deutschland und Spanien wirbt. Bis zu einem weltweiten Streik bei DHL oder in einem anderen Konzern ist es zweifelsohne noch ein weiter Weg. Aber er wird beschritten und kleinere Erfolge können auch kurzfristig erreicht werden, sei es die Verbesserung von Arbeitsbedingungen, sei es das eine internationale Zusammenarbeit auf einer betrieblichen Ebene denkbar wird. 

 

Florian Wegner (Internationales Komitee der FAU)

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